Funktionelles Faszientraining

Der Mensch nimmt gerne an, alles zu wissen. Dies ist weit gefehlt. Wir haben bereits viele Dinge in der Anatomie des Körpers erforscht. Eines jedoch unterschätzt. Die Bedeutung des Bindegewebes – das fasziale Gewebe mit seinen Funktionen und Auswirkungen. Es wird erst seit kurzem erforscht.

Was sind Faszien?
Tatsächlich hat fast jeder Mensch Faszien schon einmal gesehen und sogar angefasst! Denn die Faszien durchziehen das Muskelfleisch der Nutztiere, welches wir bevorzugt verspeisen. Auch die weiße Schicht, die wir zumeist vor der Zubereitung entfernen, ist nichts anderes als eine Faszie. Demnach werden das Bindegewebe unseres Bewegungsapparates sowie die festen Hüllen, die all unsere Organe, Muskeln, Knochen und Nerven umgeben, fortan als Faszien bezeichnet. Die Faszien werden als eigenes Organ betrachtet. Sie haben ganz bestimmte Aufgaben inne und durchziehen unseren Körper in den verschiedenen Schichten. Die wichtigste Aufgabe der Faszie ist, unseren Körper in Form zu halten, indem das Bindegewebe quasi jedes Element unseres Körpers umhüllt. Es entsteht ein spinnennetzartiges Geflecht, das trennt und formt.
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Woraus bestehen Faszien?
Faszien bestehen hauptsächlich aus Proteinen und Wasser. Die Funktion der Körperstelle, die sie umgeben, entscheidet dabei über die genaue Zusammensetzung. So vielseitig wie die Funktionen der Organe, Knochen, Muskeln und Nerven unseres Körpers sind, variiert auch die Zusammensetzung der Faszien. Mal ist das Netz straffer, mal lockerer geknüpft, enthält mehr oder weniger Flüssigkeit. Eine gesunde Faszie ist ca. 0,1 mm dick, eine kranke Faszie ca. 0,3 mm und verursacht als Bindegewebe dementsprechende Schmerzen. Die Faszie setzt sich aus vier Bausteinen zusammen:

  • Kollagene
    Gelten als wichtigster Bestandteil der Faszien. Kollagene sind feste, formgebende Fasern, sogenannte Strukturproteine. Diese sind sehr dehnbar aber auch besonders reißfest, ihre Zugfestigkeit ist höher als die von Stahl!
  • Elastin
    Ist ebenfalls ein Strukturprotein, das sich durch besonders elastische Fähigkeiten auszeichnet. Es lässt sich wie ein Gummiband stark dehnen, kehrt aber nach der Beanspruchung in seine Ausgangsform zurück.
  • Bindegewebszellen
    Die Bindegewebszellen produzieren die Fasern der Faszien in der jeweils benötigten Menge. Sie reagieren dabei auch auf Belastungen. Wird ein Muskel stark trainiert, werden mehr Fasern produziert. Innerhalb eines Jahres wird rund die Hälfte des gesamten Fasziengewebes ausgetauscht. Die Bindegewebszellen scheiden außerdem Enzyme und Botenstoffe aus, um miteinander sowie mit anderen Zellen zu kommunizieren.
  • Matrix
    Als Matrix wird die Flüssigkeit bezeichnet, welche die Fasern und die Bindegewebszellen umgibt und in der verschiedene Stoffe enthalten sind. In den verschiedenen Bindegewebstypen enthält sie variierende Anteile an Abwehrzellen, Lymphzellen und Fettzellen sowie Nervenenden, Blutgefäße und Wasser.
So verschieden die Bindegewebstypen unseres Körpers in ihrer Zusammensetzung und Lage auch sind, lassen sich dennoch alle vier Grundfunktionen zuordnen:
  1. Formen: umhüllen, polstern, schützen, Struktur geben
  2. Bewegen: Kraft übertragen und speichern, Spannung halten, dehnen
  3. Versorgen: Stoffwechsel, Flüssigkeitstransport, Nahrung zuführen
  4. Kommunizieren: Reize und Informationen empfangen und weiterleiten

Faszien und Schmerztherapie
Die Entdeckung, dass die umhüllenden Faszien über mehr Sensoren und Nervenenden verfügen, als der Muskel selbst, führte zu weiteren, sportrelevanten Erkenntnissen. Denn die Mehrzahl dieser Rezeptoren sind "Schmerzmelder". Damit gilt es als gesichert, dass muskuläre Schmerzen vor allem in den Faszien entstehen!

Faszie2 Dies betrifft vor allem den Muskelkater. Es sind trainingsbedingte Veränderungen und Verletzungen in den Faszien, nicht im Muskel selbst, die für die Schmerzen verantwortlich sind. Sicher ist jedoch, dass sich das Bindegewebe nach ein paar Tagen erholt und sich darüber hinaus der gesteigerten Belastung angepasst hat. In dieser Beobachtung fußt die Wirksamkeit des "Faszientrainings". Demnach wären fitte Faszien weniger anfällig für Muskelkater, schmerzbedingte Trainingspausen könnten vermindert werden.
Vor allem auf den weitverbreiteten, chronischen Schmerz im Rücken wirft die Faszienforschung ein ganz neues Licht. So stellte sich heraus, dass die tiefe Rückenfaszie (Dorsalfaszie) von Schmerzrezeptoren übersät ist. Nun liegt die Vermutung nahe, dass die Schmerzen nicht von den Bandscheiben oder den Wirbeln herrühren. Faszie3

Um allem vorzubeugen, bieten wir unseren Kunden das funktionelle Faszientraining an. Hier werden die einzelnen Faszien mit entsprechenden Übungen erwärmt und gelockert. Dies dauert ca. eine halbe Stunde. Danach bringt man die Faszien in ihre "richtige Richtung" und massiert das Bindegewebe mit der Blackroll-Rolle und dem Blackroll-Ball. Wir beginnen unter den Fußsohlen und enden am Hals. Eine Faszienkurs dauert 1 ½ Stunden.