Mit Sport Bluthochdruck senken?!

 

Bluthochdruck und Sport – ein komplexes Spannungsfeld:

Bewegungsmangel kann die Entstehung von Bluthochdruck begünstigen.[1] Jedoch „sind körperliche/sportliche Aktivitäten akut mit Blutdruckanstiegen verbunden und es gibt eine Vielzahl von sportlichen (Extrem)-Varianten, die mit erheblichen Blutdruckanstiegen verbunden und keineswegs für Hochdruckpatienten geeignet sind".[2] „Geeignete bewegungstherapeutische Maßnahmen wiederum wirken langfristig blutdrucksenkend und werden in den aktuellen Therapieleitlinien empfohlen".[3]

Was also tun? Soll ich als Bluthochdruckpatient Sport machen? Wenn ja, welchen und wie oft? Oder ist das Risiko zu groß, dass durch den Sport mehr Schaden als Nutzen entsteht? Auf diese Frage hat Prof. Dr. med. Ulf Landmesser (Leitender Arzt der Interventionellen Kardiologie am Universitätsspital Zürich) eine klare Antwort. Er ist der Überzeugung, dass sich eine Bluthochdruck-Erkrankung durch Sport verhindern lässt und bei einer bestehenden Krankheit die Blutdruckwerte gesenkt werden können.[4]

Was geschieht mit dem Blutdruck bei körperlicher Aktivität?

Muskeln brauchen mehr Sauerstoff wenn sie arbeiten als in Ruhe. Damit die Muskeln mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden können, muss das Herz mehr Blut pumpen. „Der Durchfluss durch das Gefäßsystem wird erhöht und in diesem Zusammenhang kommt es immer zu einem Anstieg des Blutdrucks".[5]

Welche Sportart ist für Bluthochdruckpatienten geeignet?

Zu Beginn sollte jeder Bluthochdruckpatient eine (sport-)medizinische Diagnostik durchführen lassen, um individuell seine geeignete Belastungsform und Belastungsintensität zu finden. Aus diesem Grund kann keine pauschale Sportart oder Belastungsform benannt werden.[6] Jedoch ergaben Studien, dass eine Sportart „umso geeigneter, je mehr dynamische und zyklische Anteile sie aufweist. Dies sind Alltagsaktivitäten und Sportarten mit immer wiederkehrenden, gleichen Bewegungsabläufen, also Spazierengehen, Wandern, oder die Ausdauersportarten Walken, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Skilanglauf und Rudern".[7] Sportarten, die hohe statische Komponenten (Haltearbeit) erfordern und außerdem aus vielen azyklischen Bewegungen (Einzelbewegungen) bestehen, wie Geräteturnen, Kampfsportarten, Rückschlagspiele, Handball, Fußball usw. sind weniger geeignet.[8]

Welcher Trainingsumfang ist am Besten geeignet?

Für ein gesundheitsförderliches Training ist der Trainingsumfang von besonderer Bedeutung. „Auf Basis der bisherigen Studien empfehlen Leitlinien drei bis vier Trainingseinheiten mit dynamischer Muskelarbeit über einen Zeitraum von mindestens 30-45 Minuten durchzuführen. Ergänzend sollte eine Trainingseinheit von 30-45 Minuten Fitnessgymnastik bzw. moderates Kräftigungstraining nach kompetenter Anleitung hinzukommen".[9]

Hinweis:
Der Körper braucht Zeit, um sich zu regenerieren. Die Regenerationszeit ist umso länger, je weniger der Körper es gewohnt ist, so gefordert zu werden. Middeke et al. geben für Ungeübte, die zum ersten Mal regelmäßig Sport treiben und solche die nach langer Unterbrechung wieder einsteigen, die Empfehlung, zwei- bis dreimal pro Woche 15-20 Minuten zu trainieren. Bereits Trainierte können drei- bis fünfmal pro Woche trainieren.[10]

Ehrgeiz im Sport bei Bluthochdruck?

Spaß gehört bei sportlichen Aktivitäten immer dazu. „Ohne Spaß und nur aus Vernunftgründen betrieben wird Sport zu einer bitteren Pille, die man des öfteren doch (gerne) vergisst und sicherlich nur für einen begrenzten Zeitraum einnimmt".[11] Übertriebener Ehrgeiz kann zu ungesundem Stress führen, vor allem bei Sportarten in der Gruppe wie Handball, Fußball, Squash etc., sobald die anderen Mitspieler als Gegner und nicht als Partner gesehen werden. Im Hinblick auf eine Bluthochdruck-Erkrankung ist es empfehlenswert, miteinander und nicht gegeneinander zu spielen.[12]

Allgemeine Merksätze für die Einordnung von Belastungen für Hypertoniker[13] :

  • Dynamische Belastungsformen sind günstiger als statistische.
  • Hohe Belastungsintensitäten sind gefährlich, mittlere Belastungsintensitäten sind vertretbar.
  • Jede Belastung, die Pressatmung erfordert, ist zu hoch. Solange frei geatmet werden kann, liegt die Kraftbeanspruchung unter 60% der Maximalkraft. Bei derartigen Belastungsintensitäten sind der Blutdruckanstieg und das Gesundheitsrisiko noch vertretbar.
  • Eine enge Kooperation von Ärzten und Bewegungstherapeuten ist unerlässlich.

 

Quellen:

BKK  
www.bkk-melitta.de
Coypright: BKK Melitta Plus, Minden

  • [1] Pickering, 1997 zitiert nach Predel, 2007
  • [2] Fafaed 2001; Franz, 1993; Weisser, 2003 zitiert nach Predel, 2007, S. 328
  • [3] American Collage of Sports Medicine position stand, 2004; Deutsche Hochdruckliga e.V., Deutsche Hypertonie Gesellschaft, 2005; European Society of Hypertension Quidelines Committee, 2003 zitiert nach Predel, 2007, S. 328
  • [4] Deutsche Herzstiftung, 2015
  • [5] Middeke, Psopisil & Völker, 2005, S. 129
  • [6] Predel, 2007
  • [7] Middeke et al., 2005, S. 122
  • [8] Middeke et al., 2005
  • [9] Predel, 2007, S. 331
  • [10] Middeke et al., 2005
  • [11] Middeke et al., 2005
  • [12] Middeke et al., 2005
  • [13] Middeke et al., 2005; Predel, 2007 & Deutsche Herzstiftung, 2015